Technik Theologie Naturwissenschaften
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Biotechnologie in gesellschaftlicher Deutung – Ein neues Diskursverfahren zur Grünen Gentechnik (Forschungsprojekt, 2005 – 2006)

Aus diesen Klausurwochen ging das durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit geförderte Projekt „Biotechnologie in gesellschaftlicher Deutung“ zur Bedeutung von Intuitionen und sozialem Vertrauen in der Kommunikation über die Biotechnologie hervor.

Der Diskus über Grüne Gentechnik

Seit über einem Jahrzehnt wird in der bundesdeutschen Gesellschaft über einen Teilbereich der Biotechnologie – die gentechnische Veränderung von Kulturpflanzen – gestritten. Dabei handelt es sich um einen Streit besonderer Prägung. Denn in der Regel sind es zunächst nicht Mehrheiten der Bürgerinnen und Bürger selbst, die sich engagiert zu Wort melden, sondern profilierte Befürworter oder Kritiker – und damit auch seitens der Politik bzw. Unternehmen identifizierbare »Stakeholder« – der immer noch neuen Technologie.

Der gesellschaftliche Streit führte bislang nicht dazu, dass Befürworter oder Gegner der Gentechnik (im Allgemeinen) zu einer identifizierbaren gesellschaftlichen Mehrheit wurden. Die Gruppe der Unsicheren und Verunsicherten aber wuchs.

Verbessertes Dialog- und Diskursverfahren

Auf den Resultaten der Klausurwochen aufbauend wurde ein Forschungsprojekt konzipiert, das die Praxis eines verbesserten Dialog- und Diskursverfahrens zum Gegenstand hatte. Die Beteiligten wollten klären, unter welchen Bedingungen sich vorgängige Einstellungen von Nicht-Fachleuten zur Technologie ändern können. Dies erschien wichtig, um einen Beitrag dazu zu leisten, potenziellen Manipulationsversuchen durch Protagonisten der Technologie oder der Kritik daran wirksam begegnen zu können – ausgehend von der Prämisse, dass die Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger anzuerkennen ist und ihr Potenzial, sich qualifiziert in den Dialog einbringen zu können, genutzt werden sollte.

Ziel des Projektes

Ziel des Projekts war es, den Einfluss von Intuitionen, Emotionen, sozialem Vertrauen und Wertvorstellungen im gesellschaftlichen Diskurs zur Biotechnologie zu untersuchen und auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse Grundzüge eines verstärkt partizipativen Diskursmodells zu beschreiben, das den Erkenntnissen Rechnung trägt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass Voreinstellungen der am Diskurs teilnehmenden jungen Menschen von besonderer Bedeutung für deren konkrete Bewertungen von Anwendungen der Grünen Gentechnik sind. Sie zeigen jedoch auch, dass Einstellungen sich verändern können, wenn solche Veränderungen systematisch, d.h. bereits in der Anlage des Diskurses, ermöglicht werden.

Wie vermutet konnte gezeigt werden, dass soziales Vertrauen in diesem Zusammenhang als Schlüssel-Größe anzusehen ist. Solches Vertrauen jedoch wächst erst in Begegnungen und bedarf eines gegenüber »klassischen« Vermittlungsbemühungen deutlich erweiterten Zeitbudgets.

Zudem konnte durch die Auswertung gezeigt werden, dass bisherige technik- bzw. produkt-induzierte Vermittlungsbemühungen (sog. Informationskampagnen) die Sollbruchstelle ihres Erfolges in sich tragen. Sie antworten nicht auf akzeptierte Problembeschreibungen in der Gesellschaft. Und insofern antworten sie auf Fragen, die in der Gesellschaft nicht gestellt werden.

Publikation

Busch, Roger J./Prütz, Gernot (Hg.): „Biotechnologie in gesellschaftlicher Deutung.“ Herbert Utz Verlag, München. 2008.